Streckenverlauf
Wien-Bratislava-Györ-Donauknie-Budapest-Balaton-Szombathely-Burgenland
Vorab: Der Track auf der Karte zeigt es deutlich, es war eine Tour mit viel Herz!
Hier unser Urlaubsbericht in Kurzform, die lange Form gibt es auf unserem Vortrag! Aber für all die uns unbekannten Leser, die eine ähnliche Tour planen, verraten wir hier alles Wichtige für Reiseradler!
Individual-Reiseführer
Die Reise- und Stadtführer aus dem Michael Müller Verlag können wir wärmstens empfehlen, es lohnt sich trotz des Mehrgewichtes mit diesen Führern zu radeln. Sie sind sehr oft unverzichtbar, weil nur sie Antwort geben. Auf den Städteführer Wien haben wir aufgrund des Gewichtes aber verzichtet, was uns in Wien dann aber doch wieder Leid getan hat - gute Reiseführer sind eben besonders für Individualreisende Pflichtlektüre!
Besonders familiär waren wir bei Gisella in Neszmely untergebracht.

Frau Rencz führte uns, quasi an der Hand, durch die Budapester Metro, sodass wir sehr schnell an unser Ziel kamen. Auch über die möglichen Rückfahrvarianten wurden wir sehr gut aufgeklärt. An dieser Stelle ein großer Dank!
Das war, ja das haben wir nie richtig verstanden und behalten. Aber auf unserem einzigen Mini-Campingplatz (am Balaton) war er schon unangenehm hilfsbereit. So versorgte er uns mit Dingen, die wir nicht brauchten und auch nicht wollten.

Jens der Ungar-Deutsche aus Csempeszkopács spendierte uns nicht nur die fehlenden 100Forint für unsere Pension, sondern gleich noch Getränke unserer Wahl. Wir hatten 50 km lang keinen einzigen Bankomaten gesehen, dachten aber auch das Geld würde noch reichen! Ein Irrtum! Seine Worte: "Wenn wir Deutsche nicht zusammenhalten, wer dann?" klingen uns noch immer im Ohr! Er brachte uns auch die richtige Aussprache all der von uns bereisten Orte bei! Jens, melde dich mal!

Vesna in Balf, in deren Frühstückspension wir im letzten freien Zimmer übernachten durften, war eine Persönlichkeit, die man nicht so schnell vergisst, ebenso wenig die Pension. Vesna und die Pension sind untrennbar miteinander verbunden und schon kein Geheimtipp mehr, denn das österreichische Fernsehen ist schon zum Dreh nach Balf gefahren und hat berichtet.


Die Einkäufe können uns bekannte Import-Ware sein, die dann in Ungarn ähnlich teuer ist wie bei uns in Deutschland. Man kann aber auch einheimische Produkte kaufen, die günstiger sind. Ein Logo auf der Rückseite der Produkte verrät aber oft, dass auch sie von Nestle, Danone und Co. sind. Sie sind aber günstiger. Wir versorgten uns immer reichlich mit Riegeln. Echte Müsliriegel gab es kaum, dafür Müsli-Kekse und Schokoriegel, die nach Rumkugeln schmeckten.


Trinken, sprich: Brunnen
Es gibt noch sehr viele Brunnen, an denen man sich sorgenfrei mit Trinkwasser versorgen kann. Immer dann, wenn uns das Wasser ausging, fand sich bald ein Brunnen. Schade, dass es so was nicht bei uns gibt. Aber wir sprachen mit einem Ungarn, der sich fast für die in seinen Augen rückständigen Brunnen entschuldigte. Von uns aus dürfen sie überleben, auch wenn wir in Gesprächen mit Einheimischen abschließend nie klären konnten, ob es nun Brunnen, oder ans normale Wasserleitungsnetz angeschlossene Hydranten sind. Ungarn antworten auf Fragen immer gerne mit Ja. Ein Beispiel aus nur einem Gespräch: Ist es ein Brunnen? Ja! Oder ist es Leitungswasser? Ja! Es ist also Trinkwasser? Ja! Darf ich das Wasser aus dem Brunnen vorm Friedhof auch trinken? Nein!

Der schlechteste Campingplatz war der Stadtcampingplatz von Györ. Wir können hiervor nur warnen, er ist mit 18Euro (2 Personen, kleines Zelt) der teuerste unserer Reise gewesen. Dafür bekamen wir abgerissene Sanitäranlagen, eine Hubbelwiese und doch keinen Kontakt zu den einzigen anderen Bewohnern, den Fremdarbeitern aus Rumänien und Co.
Einen schönen Campingplatz hatten wir am Neusiedlersee, Naturbad Breitenbrunn. Aber auch er war nicht wie man sich einen Campingplatz vorstellt, da wir die einzigen mit Zelt waren, alle anderen hausten in Wohnwagen, die auch nie einen anderen Campingplatz sehen werden, bzw. je gesehen haben. Dauercamper aus Wien eben.
Ein kleiner, aber feiner Campingplatz ist der von Gerhard in Carnuntum, direkt an seiner Tennishalle mit Restaurant. Wir durften hier übernachten, obwohl er eigentlich zu hatte. Gerhard hatte nämlich Urlaub und flog am nächsten Morgen in Urlaub. Nochmal Danke Gerhard!

Das tollste Appartement gab es in Dunasziget, direkt an der Hauptstraße, das Apartman ist nicht zu übersehen. Mit 24 Euro war es auch sehr günstig. Aber man spricht nur ungarisch, man ist nach eigener lachender Auskunft nämlich Analphabet. Das Wort gibt es auch im Ungarischen. Als die Besitzerin merkte, dass ich sie verstehe, haben wir herzlich gelacht.
Das familiärste Privatzimmer gab es bei Gisella in Neszmely, nicht links zum alten und geschlossenen Camping, sondern rechts die Straße hinauf und rechts weiter. Hier wohnten wir für 22 Euro.

Der Wahnsinn war, wie unter Menschen bereits erwähnt, die Frühstückspension von Vesna in Balf. Das DZ für 36 Euro.
Das Hotel Kek Duna im Norden Budapests, direkt an der Donau, können wir ebenfalls empfehlen. Wir bezahlten für ein DZ mit Frühstück 56 Euro.

Nicht so toll war, dass wir am Velencei-See, rund um Velence kein Zimmer bekamen. Warum? Die Leute hatten es nicht nötig, ihnen reicht die Hauptsaison, die stolze 6-8 Wochen dauert. Ja, auch wir hätten das nicht für möglich gehalten.
Häuser und Bauwerke
Die Pressburg, der Dom von Esztergom, die Fischerbastei in Budapest, das Paprika-Haus auf Tihany, das alte, ursprüngliche und strohgedeckte Haus oder das Hundertwasser-Haus. Wir haben sehr viele gesehen und lieb gewonnen.



Besonders waren auch die Störche, Dohlen und Silberreiher, weil man sie hier bei uns nie sieht. Aber auch die vielen findigen Haussperlinge (Spatzen) in Breitenbrunn machten viel Freude.

Wir können alle wärmstens empfehlen, vor allem eine Wanderung durch die Visegrader Berge im Duna-Ipoly N.P. im Donauknie sollte man sich nicht entgehen lassen.


Der Name Donau-Radweg hat uns am Ende doch etwas verwundert, auf ungarischer Seite sieht man kaum mal die Donau und Radwege gibt es in der kleinen Tiefebene Transdanubiens auch keine! Dennoch war das Radeln hier besonders schön, weil es auf den Landstraßen und in den Dörfern nicht so viel Autoverkehr gab und alles recht verschlafen und ursprünglich war. Und vor allem die Menschen waren noch nicht so satt, was uns besondere Begegnungen ermöglichte! Beschildert war der Radweg von Wien nach Bratislava sehr gut. In Ungarn sahen wir fast keine Schilder mehr. Ohne den Bikeline wären wir bestimmt rumgeirrt!

Rund um den Balaton (Plattensee) radelten wir auf dem gut beschilderten Balaton-Radweg.

Am Neusiedlersee und im Burgenland radelten wir auch auf guten Radwegen. Die Karten vom Burgenland Tourismus sahen am Ende aber besser aus als die Wirklichkeit. Wir verfuhren uns mehrfach! Für Fernradler sind Rundradwege letztlich ungeeignet. Der Name des Radweges ohne Endziel, schließlich ist es ein Rundweg, hilft einem überhaupt nicht, wenn man nicht weiß, ob man nun die eine oder die andere Richtung fahren muss.

Bemerkenswert war, wie viel tote Tiere wir auf Radwegen gesehen haben. Wir gehen davon aus, dass es nicht zu den Aufgaben der ungarischen Feuerwehr gehört, diese zu entfernen. Auch sonst ist es niemands Aufgabe. So bleiben sie liegen. Auf der Straße haben wir auch einen ausgewachsenen toten Fuchs liegen gesehen. Das nächste Auto fährt halt drumherum oder drüber, je nach Lust und Laune, irgendwann wird sich das Tier schon auflösen.

Einige Fotos von unseren Wegen, zu denen wir auf dem Vortrag nat. ausführlich berichten.
Wie man sieht, ist die Kleine Tiefebene und Transdanubien im Ganzen mindestens so "gewellt" wie Dänemark!
Straßen
Die normale ungarische Straße ist mit Straßen bei uns in nichts zu vergleichen. Ist der Belag in der Mitte noch so, dass man an eine Straße denkt, wird sie nach rechts hin immer katastrophaler und endet schließlich ganz rechts in oft tiefen Spurrillen, Schlaglöchern, abgesenkten Gullideckeln.

Da wir Radfahrer rechts fahren, ist es oft eine Qual. Aber in der kleinen Tiefebene fuhren wir aufgrund des geringen verkehrsaufkommens oft mittig. In den Touristenorten ging es auch besser voran. Radweg gab es in Ungarn auf unserer Strecke nur am Balaton und von Kesztheley nach Heviz. Die Straßen vom Balaton zum Neusiedlersee waren meist sehr gut, vor allem je näher man nach Österreich kam, bzw. je mehr sie von Touristen, meist aus Österreich, genutzt wurden.
Autostraßen mit nur einer Ziffer sind im Grunde für Radfahrer verboten. Führt so eine Straße aber durch einen Ort, dann darf man im Ort doch wieder fahren, obwohl die Straßenverhältnisse hier deckungsgleich wie außerorts sind. Manchmal darf man auch außerorts ein Stück fahren, bis dann wieder die Benutzung verboten wird. Also, wir hätten oft die gleiche Straße wieder zurücknehmen müssen, hätten wir uns an die Schilder gehalten. Außerdem wären wir so nie ans Ziel gekommen, weil es oft nur diese eine Straße gibt. Anfangs noch ängstlich und die Polizei und Geldstrafen fürchtend fuhren wir später ganz ungeniert, oft von Polizeiautos überholt auch auf verbotenen Straßen.
Das war insofern konsequent, denn die viel zu schnell fahrenden Einheimischen wurden von der Polizei auch nicht verwarnt, die Polizei fuhr im Übrigen auch viel zu schnell.
Diese Straßen mit nur einer Ziffer sind aber grundsätzlich nicht zu empfehlen, sie sind sehr gefährlich, vor allem wegen der Raserei und der riskanten Überholmanöver. Es gibt kilometerlange Teilabschnitte, wo sich spätestens nach jedem weiteren Kilometer ein Kreuz, oft einem Grab ähnlich mit Grabstein gestaltet, befindet. Gerast wird trotz der vielen Mahnmale weiterhin. Aber will man mit dem Rad von Budapest zum Balaton, dann gibt es keine Alternative, außer den Zug. Das sollte jeder wissen und für sich selbst entscheiden!
Wetter
Wir hatten eigentlich immer gutes Wetter, eine Mischung aus Sonne und Wolken, aber immer trocken. Eine Ausnahme gab es in Budapest, nachmittags um 16:00 Uhr war unsere Stadtbesichtigung, die zum Glück schon um 9:00 Uhr begonnen hatte und fast vorbei war, beendet. Es zogen Gewitter über die Stadt, die mehrere Stunden anhielten. In Budapest hatten wir uns aber eine noble Herberge, ein sehr gutes Hotel geleistet, weshalb wir zwar nass wurden, aber ansonsten den Abend sorglos genießen und auf besseres Wetter für den Folgetag hoffen durfte. Und es war gutes Wetter und unsere Fahrt zum Balaton sollte eine sonnige werden. Die Temperaturen während unserer Reise lagen immer zwischen 22 Grad Celsius Ende April und etwa 28 Grad Celsius (im Schatten natürlich) zum Ende der Reise. Dadurch, dass sich auch mal Wolken vor die Sonne schoben, war es ideales Radreise-Wetter!

Vortrag
Am 24. Januar 2009 gab es den Vortrag 1.111 km Rad-Abenteuer Transdanubien im Vortragsraum des Elisa Seniorenstifts in Köln-Porz, zu sehen.
Wer nicht dabei war, kann hier einen kleinen Eindruck gewinnen:
Unser Transdanubien-Online-Video
Sachmittel unserer Sponsoren, die uns auf dieser Reise, wie man sieht, gute Dienste leisteten!