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    06. September - 12. September 2008 - Im Spätsommer radelnd durch die nördliche Euregio Maas-Rhein

    Streckenverlauf: Neuss - Nordkanal - Venlo - Maas - Roermond - Thorn - Maasmechelen - Genk - Hasselt - Maastricht - Valkenburg - Aachen

    Eigentlich sollte es in diesem Urlaub mit unserem neuen Tandem auf eine Vier-Flüsse-Tour rund ums Sauerland gehen. Aber unser K&K-Tandem ließ auf sich warten und so ging es radelnd durch die nördliche Euregio Maas-Rhein.


    Quelle: Euregio Maas-Rhein

    Tourverlauf:



    Wir starteten Samstag in Neuss und fuhren von hier den Nordkanal bis nach Venlo.
    Der Nordkanal wurde seinerzeit von Napoleon geplant, er sollte den Rhein mit Antwerpen verbinden. Eine historisch und baulich sehr interessante Sache. Die Radroute entlang des geplanten Kanals ist zu empfehlen. Rot-weiße Masten markieren den Verlauf des Kanals, wäre er komplett realisiert worden. Stelen oder Bodenmarkierungen säumen die Route, außerdem gibt es noch Schilder, was ein entspanntes Rad fahren ermöglicht.


    Quelle: Fietsallee am Nordkanal





    Von Venlo fuhren wir Sonntag entlang der Maas im starken Gegenwind nach Roermond. Weil es so anstrengend war, immer gegen den Wind zu fahren, und das Wetter auch sonst recht wankelmütig war, verbrachten wir den Rest des Tages auf dem Campingplatz Hatenboer und verschoben den geplanten Ausflug zum niederländischen Nationalpark De Meinweg auf den nächsten Tag.





    Montags fuhren wir dann zum niederländischen Nationalpark De Meinweg. Hier nahmen wir die Fahrradroute durch den Park, die ebenfalls sehr zu empfehlen ist. Uns begegnete nur ein Fahrradpärchen, die Ruhe war toll! Leider hatte das Besucherzentrum montags geschlossen. Nicht nur wir standen erstaunt vor verschlossenen Türen. Danach schauten wir uns noch Roermond an und tranken einen leckeren Koffie (Kaffee).





    Dienstag ging es weiter. Wir fuhren links der Maas bis zum historischen und unter Denkmalschutz stehenden Grenzstädtchen Thorn, mit seinen weiß getünschten Häusern. Wir fuhren bis zur niederländisch-belgischen Grenze auf dem Jakobsweg, der nicht nur in Deutschland zur Zeit sehr in Mode ist.
    Weiter ging es über die Grenze nach Belgien und entlang der Maas auf der Radroute "Schwungvoll Radeln". Eine von drei sehr stark beworbenen Radrouten in Belgisch Limburg. Hier drängelten sich Radfahrer dicht an dicht, so wie sonntags bei Sonnenschein in Köln auf der Rheinschiene. Aber es war Mittwoch - unglaublich!

    Nachmittags kehrten wir in einem Fahrradcafe beim Bauern ein. Sehr lecker und gemütlich! Danach ging es weiter bis nach Maasmechelen und zwar bis zum belgischen Knotenpunkt (Fahrradrouten-Wegweiser) 60. Hier war ein Eingangstor zum Nationalpark Hoge Kempen. Hier verbrachten wir die Nacht auf einem Wald-Camping.





    Den belgischen Nationalpark Hoge Kempen durchfuhren wir am Mittwoch auf der Radroute. Die hatte es stellenweise in sich, Steigungen von 10%, die aber freundlich angekündigt wurden. Der N.P. ist ebenfalls sehr schön. Radelnd sieht man aber natürlich viel weniger wie wandernd. Da sich die National Parks in der Gegend sehr ähneln sei aber auf frühere Reisen und deren Berichte verwiesen:
    N.P. Maasduinen und N.P. De Groote Peel

    Danach ging es zum Albertkanal und entlang der Hafen- und Industrieanlagen von Genk bis hin nach Hasselt. Wir sahen ein Ford-Werk, ein Stahlwerk, ein Steinkohlekraftwerk uvm. Alles sehr eindrucksvoll. Linktipp!
    Hasselt ist ebenfalls eine schöne Stadt, wie alle Städte in der Region ist die Innenstadt eine Altstadt mit Kopfsteinpflaster. Auf großen Marktplätzen laden hier gastronomische Betriebe zum Genießen ein.
    In Diepenbeek bei Hasselt fanden wir im Bed & Breakfast zwar kein freies Zimmer mehr, aber einen Platz im Garten, wo wir unser Zelt aufstellen durften. Die Pension ist zu empfehlen! Sehr familiär verbrachten wir einen gemütlichen Abend auf der Terasse und labten uns beim üppigen Frühstück im Wohn-/Eßzimmer der Familien-Pension Franssens.



    Donnerstag ging es entlang der Knotenpunkte 100-102-105-103-84-67-66-55-11 durch Belgisch Limburg bis zur belgisch-niederländischen Grenze und weiter nach Maastricht. In Maastricht aßen wir Fritten aus dem Puntzak (Spitztüte) und erkundeten das Rad schiebend, die uns sehr gut bekannte Stadt und bestaunten was sich in den letzten wenigen Jahren alles verändert hat.

    Weiter ging es entlang der Geul bis Oud Valkenburg. Knotenpunkte: 6-7-9-64-61-60. Die Nacht verbrachten wir auf dem Boerderijcamping (Camping auf dem Bauernhof).



    Unsere letzte Etappe verkürzte sich aufgrund einsetzenden Dauerregens. Wir fuhren am Freitag nur noch bis Aachen und nahmen den Zug nach Köln. Eigentlich hatten wir bis Düren radeln wollen. Unser Weg führte uns noch an der Grenzstadt Vaals vorbei, wo wir noch mal leckere niederländische Sachen einkauften. Aachen, uns sehr gut bekannt, durchfuhren wir im Regen so schnell es eben ging.

    Beobachtungen:

    • In Belgisch Limburg fühlten wir uns öfters an Ungarn erinnert, denn es gibt in den Dörfern keinen einheitlichen Bürgersteig. Jeder Hauseigentümer macht hier seinen eigenen Bürgersteig oder auch gar keinen. In solch einem Fall endet die Vorgartenwiese direkt an der Straße.

    • In den Dörfern gab es immer eine Apotheke, aber kaum mal ein Dorf mit einem Lebensmittelladen. Irgendwie passte das schon, denn wir konnten uns des Eindrucks einer überalterten Dorfgesellschaft hier im grenznahen Raum nicht erwehren!

    • Wir haben Ostdeutsche kennengelernt, die hier über Jahre für Zeitarbeitsfirmen auf dem Bau tätig sind. Sie sind aber nicht mal sowas wie Gastarbeiter, denn sie wohnen hier nicht mit ihren Familien, sondern in günstigen Unterkünften und fahren wann immer möglich nach Hause. Kontakt zu Einheimischen haben sie nicht, die Sprache lernen sie so auch nicht.

    • Janina war vor etwa 12 Jahren das letzte Mal radelnd in Belgien unterwegs und befand, dass sich für Radfahrer auf den belgischen Straßen nicht viel geändert hat. Er gehört hier nicht hin, dass demonstrieren die Autofahrer ganz deutlich. Die Radroute "Schwungvoll Radeln" war hingegen ideale Fahrradstrecke. Aber drei "Themenrouten" für ganz Limburg machen noch kein Radlerparadies! Belgien per Rad bleibt somit ein Abenteuer!

    • In Niederländisch Limburg beobachteten wir ebenfalls eine Überalterung der Gesellschaft.

    • Enorm viele Häuser stehen zum Kauf, auch hier dachten wir an Ungarn, aber auf den Schildern stand nicht "Elado" sondern "Te koop"! Die Überalterung und der Wegzug gehören zusammen, es gibt nicht genug Arbeit in der Region. Viele junge Leute ziehen weg!

    • Bahnfahren mit Rad bleibt in Deutschland ein negatives Erlebnis! Am Startbahnhof waren beide Aufzüge kaputt! Am Alternativ-Bahnhof, den wir daraufhin anfuhren, akzeptierte ein Fahrkartenautomat nur Geldkarte als Zahlungsmittel. Am Zielbahnhof war der Aufzug ebenfalls kaputt, steil ging es die Treppe hinab! Auf der Rückfahrt konnten wir den Umstieg in die S-Bahn komplett streichen, wir mussten im Regen die weiteren 12 km mit dem Rad nach Hause fahren! Warum? Der Ausstiegs-Bahnsteig verfügte nur über eine Treppe, die wir die Räder runterschleppten, den Aufstieg zur S-Bahn konnten wir nicht bewältigen, weil der Aufzug zu klein und die Rolltreppe für unsere Räder ungeeignet war!

    Routenverlauf:

    Gesamte Route, inklusive Bahnfahrt:

    Kartenmaterial: ©Tele Atlas; Software: ©ATLSoft


    Bei diesem Google Earth Bild Overlay sind die Grenzen (gelb) schön erkennbar. Die zurückgelegte Strecke ist magenta. Das Foto zeigt den N.P. Hoge Kempen (B).


    Das Höhenprofil der gesamten Tour. Die Bahnfahrten sind leicht als gerade Strecke erkennbar, hier war das Navi ausgeschaltet. Der höchste Punkt der Reise wurde in Aachen erreicht. Leider wurde das Navi zu Beginn der Tour nicht kalibriert, der Start wird etwas zu hoch angegeben.

    Kartenwerke in Papierform:

    Auf unserer Tour fuhren wir auf nachfolgenden Themenrouten:

    Unsere Ausgaben, wie immer auf Radtour, erstaunlich gering, wenn man von Anschaffungskosten für die Ausrüstung mal absieht:

    Ausessen war meist ein Cafe-Besuch. Gekocht haben wir in der Regel mit unserem neuen Primus Eta Power Multi Fuel. Hierzu werden wir auch mal berichten, es ist nämlich gar nicht so einfach, einen Benzinkocher erfolgreich zu bedienen.
    Nachtrag September 2010: Hier unser Benzinkocher-Bericht!

    Die genauen Etappendaten findet ihr im Tourenbuch 2008. Den Track gibt es auf Nachfrage.

    Zum Vorteil eines GPS-Gerätes auf solch einer Reise gab es in der FahrRad! 2/2008 einen Artikel!

    Linkliste: Euregio Maas-Rhein

    Unterstützt haben uns auf dieser Tour folgende Produkte:

    Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Rhein-Kreis-Neuss unterstützte bereits im März 2008 unsere Suche nach neuen Routen mit der kostenlosen Zusendung der drei Broschüren Fietsallee am Nordkanal.

    Victorinox stellt uns die hochwertigen Produkte Camper und Rucksack für unsere Touren und Radreisen zur Verfügung. Zwei Multi-Tools, die auf jeder Tour mit dabei sind!

    ABUS hat uns die Lenkertasche Salisbury und die Gepäckträgertasche Touring Bag Pro gesponsert, die auf dieser Reise erstmals zum Einsatz kamen!

    Hier unser Fotoalbum ...

    Ergänzung 2011:
    Hier geht es zu einem Bericht zu einer weiteren Tour zwischen Venlo und Aachen. Die 2 Länder-Route können wir wärmstens empfehlen!