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    26. Juni 2010 - 16. Juli 2010 - Tandem-Expedition durch Polens Norden, von Ost nach West. Wo war eigentlich Ost- und Westpreußen und Hinter-Pommern? (1.021km)

    Streckenverlauf: Warschau, Ostroleka, Mragowo (Sensburg), Reszel (Rößel), Lidzbark-Warminski (Heilsberg), Paslek (Preussisch Holland), Elblag (Elbing), Frische Nehrung, Nowy Dwor Gdanski (Tiegenhof), Gdansk (Danzig), Danziger Bucht (Fähre), Halbinsel Hel (Hela), Wladyslawowo (Großendorf), Slupsk (Stolp), Ustka (Stolpmünde), Darlowo (Rügenwalde), Kolobrzeg (Kolberg), Trzebiatow (Treptow a. Rega), Seebad Miedzyzdroje, N.P. Wolin, Insel Usedom, Wolgast, Greifswald

    Kartenmaterial: ©Tele Atlas; Software: ©ATLSoft

    ÖPFV - Öffentlicher Personenfernverkehr, die An- und Abreise
    Unser Abenteuer fing mit der Buchung der Zugtickets an. Trotz aller gesammelter Informationen, die unauffällig blieben, waren wir unruhig als wir 3 Monate vor Fahrtantritt unser Hinfahrtticket nach Warschau kaufen wollten. Unsere Unruhe war durchaus berechtigt, unsere negativen Erlebnisse bezüglich internationaler Bahntickets und der unterschiedlichen Vorschriften bezüglich Fahrradtransport sollten erneut erweitert und auf eine harte Probe gestellt werden. Aber von vorne. Am Bahnschalter in Köln-Deutz bediente man uns freundlich, aber irgendwann kam die Sache ins Stocken, die Bahnangestellte schüttelte mehrfach den Kopf, sagte uns aber noch nichts. Unruhig wurden wir aber auch ohne Kommentar. Kurz darauf, sie hatte mehrfach intensiv auf ihren Bildschirm gestarrt und schien was zu lesen und zu suchen, rief sie - selbst ungläubig - einen Kollegen herbei. Jetzt erfuhren wir das ganze Drama. Der Zug von Köln nach Warschau, ein durchgehender Zug, bei dem kein Umstieg zu bewältigen ist und der nachts fährt, hat zwar Fahrradstellplätze, aber diese darf man nicht in Kombination mit dem Liegewagen buchen. Konkret bedeutete dies laut der beiden Bahnmitarbeiter, dass man uns die Kombination Liegewagen und Fahrradstellplatz nicht buchen dürfe. Man war selbst erstaunt. Aber dieser Zug führe unter polnischer Flagge und hier würden dann wohl andere Regeln gelten, auch wenn wir alle den Sinn nicht verstünden. Als man uns ein Großraumsitzabteil anbot lehnten wir erst mal unter Schock stehend ab. Wir wollten alles, nur nicht im Großraumabteil die ganze Nacht verbringen müssen. Zuhause recherchierten wir die Flugpläne und die Möglichkeiten einen Flieger zu bekommen. Aber auch hier sah es düster aus, schließlich wollten wir mit unserem Tandem fahren, dass bereits von einer Boing 737 wegen der Maße nicht mehr befördert werden kann. Nach Warschau gab es keine geeignete Flugverbindung, das mussten wir in den nächsten Stunden einsehen und verdauen. Also fuhren wir nochmals zum Bahnhof, diesmal Köln Hbf. Aber auch hier war man verwundert, wir hatten vorher nichts verlauten lassen, sondern versuchten wie zuvor einen Platz im Liegewagen zu bekommen. Schließlich kümmerte sich der 1. Klasse-Schalter um uns. Aber auch hier konnte man uns nichts anderes Anbieten als in Deutz. Fahrrad nur mit Sitzwagen! Den buchten wir dann und konnten uns über die 100 Euro Ersparnis, des nun gekauften Tickets im Vergleich zum Liegewagenticket, nicht freuen.

    Drei weitere Wochen vergingen, da kam der Tag, an dem wir das Rückfahrtticket ab Greifswald buchen wollten. Auch hier erlebten wir unglaubliches. Obwohl gerade erst der Verkauf der Tickets für unser gewünschtes Datum frei gegeben worden war, gab es kein Ticket mehr in dem von uns gewünschten Nachtzug von Samstag auf Sonntag von Greifswald nach Köln. Es gab nämlich bereits jetzt keine Fahrradstellplätze mehr. Die würden Reisebüros bereits um 00:00Uhr über Internet aufkaufen, wenn bei der Bahn noch kein Schalter geöffnet hat. Sozusagen auf Verdacht. Wer die Tickets jetzt aber konkret hätte, wüsste man natürlich auch nicht. Also versuchten wir für den Samstag über Tag einen Zug mit maximal einem Umstieg zu bekommen, aber auch hier ohne Erfolg. Es wäre schließlich Urlaubszeit und Reisegruppen dürften ja bereits 6 Monate vorher buchen. Na, klasse! Letztlich bekamen wir ein Ticket für Freitag, tagsüber ging ein Zug direkt von Greifswald nach Köln für den wir ein Ticket bekamen. So wurde unser Urlaub bereits vor Fahrtantritt zwei ganze Tage kürzer, Tage, die wir noch an der Ostsee, am Ende der Tour, verbringen wollten. Der Hammer war der Preis, den man uns für die 2. Klasse nannte. Es gäbe keine Sparpreistickets für die 2. Klasse mehr, das wären in Summe dann über 500 EURO. Den zweistelligen Betrag nahmen wir gar nicht mehr wahr, die fünfhundert, die blieb aber deutlich haften. Der Bahnmitarbeiter suchte nun den Preis für die 1. Klasse. Gäbe es da noch den Sparpreis, dann könnte die 1. Klasse deutlich günstiger werden. Schließlich kauften wir ein Ticket für die 1. Klasse, Sparpreis für 2 Personen plus Tandem plus Reservierung, für 233 EURO. Das Ticket nach Warschau im Ruhesessel-Großraumabteil kam alles in allem auf 78 EURO.

    In solchen Momenten sehnen wir uns nach einem anderen Hobby, warum nur müssen wir auch noch mit dem Rad in Urlaub? Die Preis- und Ticketpolitik und vor allem die Fahrradpolitik der Deutschen Bahn ist und bleibt zum Haare raufen!

    Die Zugfahrt nach Polen gestaltete sich als unproblematisch, wenn man davon absieht, dass das Fahrradabteil letztlich nur aus 3 Haken gegenüber einer weiteren Gepäckablage direkt im Ruhesesselabteil des polnischen Abteils bestand. Wir mussten alle drei Haken in Beschlag nehmen, um unser Tandem hochkant festzuzurren. Wäre noch jemand mit Rad gekommen, hätten wir ein Problem gehabt. Aber da wir die einzigen blieben, gehörte der sparsame Platz uns. Durch den ungelenken Transport hatte sich die Antriebskette gelöst, die wir erst mal wieder auf das Kettenblatt setzen mussten, bevor es in Warschau dann endlich los gehen konnte.

    Die Rückfahrt ab Greifswald verlief ohne weitere Probleme, da wir in der 1. Klasse saßen. In der 2. Klasse fiel eine Klimaanlage aus, zwei weitere kamen mit den hochsommerlichen Temperaturen nicht ganz mit. So waren alle Klimazonen in dem 4 Wagen langen Zug anwesend. Wir saßen im kühlsten Wagen. Wir waren fest davon ausgegangen, dass der IC über ein Bord Bistro verfügt, wir wurden aber eines besseren belehrt, es gab keines. Die Snacks die man in der 1.Klasse (auf der 11-stündigen Fahrt) erwerben konnte, waren wegen des heißen Wetters auf Croissants und Muffins beschränkt, da man nichts kühlen konnte. Armes Deutschland!

    Bei beiden Fahrten kam es dafür aber nicht zu nennenswerten Verspätungen.

    Straßen
    Unsere polnischen Nachbarn hatten uns gewarnt, die Straßen wären schlimm. Da es keine Autobahnen gäbe, wären außerdem auf allen Straßen LKWs unterwegs. Im Grunde schüttelten sie den Kopf, als sie von unserem Vorhaben hörten.
    Wir waren optimistisch, wollten dennoch immer mit Helm fahren, was wir auch taten. Geschadet hat es uns sicher nicht.
    Die Straßen waren aber wesentlich besser als ihr Ruf. Man kann es auch so zusammenfassen: Außerorts, also die weiten Strecken, waren die Straßenbeläge häufig sehr gut, dank 70-prozentiger EU-Finanzierung. Innerorts war der Belag grundsätzlich schlecht, auch in Warschau. Insgesamt ist es aber so, dass Straßen gleichen Rangs (laut Straßenkarte) sehr verschieden sein können. Man kann auf feinsten Asphalt, aber auch auf löchrigen Asphalt, Betonplattenstraßen oder gar auf 10km Kopfsteinpflaster treffen. Aber meist waren die guten Straßen viele Kilometer lang.

    Begeistert waren wir, wie rücksichtsvoll viel Platz die Polen uns bei ihren Überholmanövern ließen, sowohl PKW als auch LKW. Nur ganz wenige fuhren zu nah an uns vorbei. Gehupt hat wegen uns nicht einer! Selbst wenn wir ungelenke Wendemanöver mit unserem langen Gefährt veranstalten mussten. Die Autofahrer waren die Ruhe selbst. Großes Lob hierfür!

    Höhenprofil
    Auch wenn man immer wieder lesen kann, dass Nord-Polen Flachland sei, es stimmt nicht! Der Baltische Höhenrücken zieht von der Ostsee ins Land. Wie der Name vermuten lässt, schließen sich weite Hügellandschaften im Norden von West nach Ost! Teilweise dachten wir, wir wären in der Eifel, auch wenn hier kaum mehr als 200 Meter Höhe erreicht werden. Es ging immer wieder rauf und runter. Das gesamte Ermland ist hügelig! Auch die Masurischen Seen kündigen sich dadurch an, dass es hügelig wird. Nachfolgend ein Höhenprofil vom Ermland über eine Strecke von etwa 160km von Ost nach West.

    Tiere - lebende und tote
    Wir haben leider einige tote Tiere gesehen, und zwar alle auf oder neben der Straße:
    3 Maulwürfe, 2 Katzen, 5 Füchse, 1 Wildschwein, ungezählte Vögel, 1 Eichhörnchen, 1 Maus und 3 Igel.

    Aber wir haben auch viel lebendiges gesehen:
    1 Hase, 1 Fuchs, ungezählte Störche, einem durften wir sogar beim Wasserlassen zugucken, ungezählte Möwen und Schwalben, 5 Wisente im Reservat, einige Kühe, viele freilaufende Hühner, Hunde und Katzen, aber kein einziges Schaf.

    Außerdem hatten wir natürlich viele Begegnungen mit Mücken, Bremsen und Ameisen:
    Janina hat genauer gezählt, sie hatte insgesamt:
    27 Mückenstiche, 1 Bremsenstich, der sich entzündet hat, außerdem 4 Ameisenbisse!
    Natürlich hatten wir Insektenschutz mit, der aber nur 2 bzw. 4 Stunden schützt. Die Tiere finden immer einen Weg - durch die Klamotten oder gerade da wo man nicht so gründlich aufgetragen hat. Sie erreichen ihr Ziel immer!

    Nationalparks
    Genauer angeschaut haben wir uns den Naturpark Masurische Seen und den Woliner Nationalpark.
    Durch den Mazuski-Park sind wir geradelt und in vielen Seen geschwommen. Im Woliner N.P. sind wir oberhalb der Steilküste gewandert und haben das Wisent-Reservat besucht. Der Eintrittspreis für das Reservat war wie alles in Polen - außer Hotels - sehr preiswert.
    Beide Parks sind sehenswert!

    Häuser
    Auf unserer Reise haben wir ein paar sehenswerte Häuser und Bauwerke gesehen. Hier ein paar davon. Dabei waren natürlich auch die Burg der Bischöfe von Ermland in Lidzbark-Warminski und das Schloss der Herzöge von Pommern in Darlowo (Rügenwalde). Auch die barocke Kirche in Swieta Lipka haben wir gesehen, jedoch versperrte ein Baugerüst mit Abdeckung den Blick auf die viel besuchte Pilgerkirche.

    Leuchttürme (= Latarnia Morska)
    Die Sehenswürdigkeit, die immer per Schild angekündigt wurde, waren die vielen Leuchttürme an der Ostsee.

    Essen
    Eingekauft haben wir immer in den Skleps. Das sind Tante Emma-Läden mit sehr unterschiedlichem Angebot. Wir mussten oft 2-3 Skleps aufsuchen, um unsere Tageseinkäufe komplett zu haben. In der ersten Hälfte unserer Reise hatten wir teilweise wirklich Schwierigkeiten satt zu werden. Das lag auch daran, dass man nicht Ausessen konnte. Außerhalb der Touristenstädte gab es nämlich keine Restaurants. An der Ostsee gab es diesbezüglich keine Probleme, das Angebot in den Läden wurde umfangreicher. Dazu kamen polnische Lebensmittelläden, ähnlich Aldi. Sie hießen Biedronka. Außerdem gab es Döner/Kebab-Buden. Da wir das Zeug aber nicht essen, sind wir auf der gesamten Reise nur ein mal Essen gewesen. Hier vergaß man aber die Hälfte zu servieren, und der bestellte Cheesburger war ein Hamburger, denn der Käse (=Chees) fehlte. Das Hamburgerbrötchen war ein altes und hartes Brötchen, an dem man sich die Zähne hätte ausbeißen können. Danach haben wir es vorgezogen selbst zu kochen.
    Geliebt haben wir die Teilchen, die es in allen Variationen gab. Allen gemeinsam war der Zuckerguss. Kefir mit Fruchtgeschmack haben wir nachher ebenfalls mit Freude getrunken.
    Da wir es nie geschafft haben an Hackfleisch für eine Nudelsoße zu kommen, man verstand uns einfach nicht, haben wir uns erinnert, dass Nudeln auch super mit Eiern schmecken. So haben wir mehrfach Ei untergebraten.

    Aber es gibt in den großen Städten - wie Warschau und Danzig - durchaus Kaufland und Lidl, auch Obi und Praktiker-Werbeschilder haben wir gesehen. Direkt vorbeigefahren sind wir aber nur ein einziges Mal an einem Lidl. Die anderen Märkte waren zu weit weg, als dass man mit dem Rad noch schnell vorbei hätte fahren könnte. Auf den Werbeschildern stand immer die Adresse, die Entfernung in Kilometern, meist zweistellig, oft noch die Telefonnummer.

    Selbst in den kleinsten Läden gab es ohne Aufforderung Bons, auf denen alles aufgeführt war, inklusive Steuerbeträge.

    Unterkünfte
    Wir haben wann immer möglich im Zelt übernachtet, dennoch mussten wir uns für 7 Nächte eine Pension oder ein Hotel suchen. Insgesamt 12 Nächte verbrachten wir im Zelt, eine Nacht im Zug. Der teuerste Campingplatz war unser erster am Mazurski-Park in Piecki. Er kostete 12,25€ (= 49 Zloty). Der günstigste war einer der schönsten und ruhig gelegen und zwar in Darlowo (Rügenwalde) für 6,75€ (= 27 Zloty). Der schönste Platz wurde aber so wenig genutzt, dass er fast leer war. Wir haben es nicht verstanden. Erst recht nicht nachdem wir die anderen Plätze des Ortes angeschaut hatten, bevor wir unsere endgültige Wahl trafen. Die sanitäre Einrichtung des Platzes war in ein altes Gewächshaus gebaut. Sehr urig! Der Betreiber, Slawomir Balcerzak, sprach auch etwas Deutsch und war einer der wenigen wirklich freundlichen Polen, die uns begegnet sind. Deshalb erwähnen wir ihn nun ausdrücklich: Camping in Darlowo

    Insgesamt waren aber alle Plätze auf denen wir übernachtet haben gut, wir konnten nirgends klagen, obwohl wir grundsätzlich nicht verstehen können, warum bei manchen kein Toilettenpapier inklusive ist. Wir würden den Preis immer so anpassen, dass auch diese Kosten gedeckt sind und der Camper dann auch immer Papier vorfindet. Mehr oder weniger warmes Wasser war immer im Preis inbegriffen.

    Klagen können wir über die Plätze, auf denen wir dann doch nicht waren, obwohl wir eigentlich drauf wollten.
    Vom Platz in Elblag direkt an der Wasserstraße zum Oberland-Kanal können wir nur abraten. Der Betreiber bietet Leuten mit Zelt, selbst bei 36 Grad im Schatten, nur Sonnenplätze an, obwohl noch Platz unter Bäumen frei ist. Verhandeln bringt nichts, dann bekommt man auf ein mal Deutsche Worte zu hören, nämlich: "Ich Chef!" - frei übersetzt: "Friss oder stirb!"
    Ebenfalls schlecht ist der Campingplatz Pomona Nr.208 in Niechorze. Gleiches Spiel, obwohl reichlich Schattenplätze vorhanden, soll das Zelt bei 36 Grad im Schatten in die pralle Sonne. Verhandeln zwecklos! Eben: "Ich Chef!"

    Hier eine chronologische Übersicht aller Unterkünfte:

    In Serock fanden wir unsere erste Unterkunft. Ein schönes Privatzimmer mit riesengroßem Bad für 120 Zloty.

    Unsere zweite Unterkunft mussten wir lange suchen. In der kleinen Stadt namens Ostroleka kannte keiner das wohl einzige Hotel am Ort. Schließlich kamen wir hier unter. Anfangs hieß es, es wäre kein Zimmer frei. Als Marco noch mal hinein ging, um unsere Wasserflaschen nachzufüllen, hieß es, es wäre doch was frei. Wir bekamen ein kleines Zimmer mit zwei Einzelbetten, das sich ein Bad mit drei weiteren (leeren) Zimmern teilte. Wir wunderten uns, bis in der Nacht mal für eine Stunde nebenan ein Zimmer besetzt wurde, da wunderten wir uns dann nicht mehr.

    Unsere erste Nacht am Mazurski Park verbrachten wir auf dem Campingplatz bei Piecki. Er sollte am Ende der teuerste unserer Reise sein. Hier waren nur wenige Camper, dafür mehr Jugendgruppen, die sich in Häuser eingemietet hatten, die es hier ebenfalls gab. Der Platz war sehr schön, da er über einen direkten Zugang zu einem wunderschönen See verfügte.

    Einen weiteren Campingplatz direkt an einem masurischen See fanden wir in Ruska Wies, bei Heinrich, der Deutsch sprach. Auf dem Platz trafen wir viele weitere Deutsche, für die nachmittags sogar ein deutsch-polnisches Folklore-Grillfest veranstaltet wurde. Hier gaben sich abends die Störche ein Stelldichein. Das Wasser des Sees war nicht ganz so kalt, weshalb es sich in ihm lange aushalten ließ.

    Da die Fahrt durch das Ermland zwei Tage dauerte, mussten wir uns in Lidzbark Warminski ein Zimmer suchen, da es im gesamten Ermland - von Elblag bis Mragowo - keine Campingplätze gibt. Auch hier mussten wir lange suchen, da keiner das Hotel kannte. Im Hotel Kopernik kamen wir schließlich unter, nachdem wir die ganze Stadt gekreuzt und die einzige Sehenswürdigkeit der Stadt, die Burg der Bischöfe von Ermland, bereits von allen vier Seiten kannten. Einen vernünftigen Lebensmittelladen fanden wir aber auch in dieser Kleinstadt nicht, nur einen mittelmäßig ausgestatteten Sklep und einen Hinterhofbäcker.

    In der alten Hansestadt Elblag (Elbing) - an der Frische Nehrung - nächtigten wir in einem wiederaufgebauten Patrizierhaus in der Altstadt. Es hieß Pensjonat Boss, frei übersetzt ein Gästehaus. Das Doppelzimmer entpuppte sich auch hier als Zimmer mit zwei Einzelbetten mit größtmöglichem Abstand, leider! Wir zahlten erst 130 Zloty. Als wir aber ins Zimmer gehen wollten, nachdem wir das Tandem und den Hänger hochgetragen und verstaut hatten, korrigierte man den Preis dann aber auf 200 Zloty (= 50 Euro). Nach 117 Tageskilometern waren wir aber zu müde, um uns wieder zu ärgern. So wurde unsere teuerste Unterkunft mit dem Urlaubsgeld von Janinas Mutter bezahlt. Aber es gab ein gewohnt deftiges Frühstück.

    In allen Unterkünften bekamen wir morgens, neben Brot u/o Brötchen, Marmelade und Aufschnitt und Käse (alles reichlich), dazu Rühreier (schätzungsweise 3) und Tee, Kaffee und Orangensaft. Nur ein mal, nämlich in Ostroleka, wurde uns der Kaffee urpolnisch, also ungefiltert, serviert.

    Im Weichseldelta fanden wir auf einer Weichselinsel in Sobieszewo einen schönen Campingplatz mitten im den Dünen vorgelagerten Kiefernwald. Keine 200 Meter vom Strand entfernt. Der Strand an der Danziger Bucht war im Nachhinein Janinas Favorit. Der Sand war von feinster Qualität und der Strand sehr sauber. An allen polnischen Stränden war Rauchverbot, an den meisten auch Hundeverbot. Das hieß aber an der Ostsee nicht unbedingt, dass der Strand auch frei von Zigarettenkippen war. Aber hier an diesem Strand an der Danziger Bucht war er es! Zusätzlich sorgten die Rettungsschwimmer für Ordnung. Wirklich ruhig gelegener und empfehlenswerter Platz und Strand! Hier blieben wir zwei Tage. Auch Gelegenheit die Wäsche zu waschen.

    Nachdem wir uns morgens Danzig angeschaut hatten, fuhren wir mit der Fähre auf die Halbinsel Hel (Hela). Am Nachmittag fuhren wir dann die gesamte, etwa 30km lange Halbinsel ab, um in Wladyslawowo erstmals Bekanntschaft mit einem Platz an der Ostsee zu machen. Er war gut, hatte aber keine Schattenplätze, obwohl wir vor dem Anmelden danach gefragt hatten und man uns versichert hatte man hätte welche. Ab hier gab es dann in jedem Touristenort an der Ostsee Kirmes und Klein-Rimini. Die Probleme bei der Essensbeschaffung gehörten ab hier aber dafür endgültig der Vergangenheit an.

    Wir hatten immer Sonne und höchste Temperaturen. Nur ein mal, da regnete es heftig über Stunden. Und zwar auf unserer Fahrt Richtung Leba. Wir lehnten es wetterbedingt ab bis Leba zu fahren und nahmen uns 10km vor Leba ein Zimmer in einer Pension in Wicko. Es sollte die freundlichste Unterkunft unserer Reise werden. Die Chefin war sehr freundlich und um unser Wohl bemüht. Sie lehnte uns auch nicht mit unseren nassen Klamotten ab, wie ihre Nachbarin zuvor, die uns kein Zimmer für nur eine Nacht geben wollte. Marco musste sogar triefend nass, erst alles angucken gehen. Und sie räumte auch gleich ihre Garage auf, damit wir unser Tandem gut unterstellen konnten. Eine der wenigen wirklich netten Begegnungen und eine wirklich schöne Erinnerung.

    Der Campingplatz von Ustka lag etwas vom Zentrum und Strand entfernt. Er war ruhig gelegen. Hier trafen wir die ersten Reiseradler aus Deutschland/Leipzig. Sie waren auf dem R10 unterwegs und wollten noch bis nach Danzig. Abends schauten wir das WM-Halbfinalspiel, das Deutschland leider gegen Spanien verlor.

    Den Campingplatz von Darlowo haben wir bereits oben in der Einführung lobend erwähnt! 1A
    Auch hier trafen wir Reiseradler aus Deutschland/Düsseldorf bzw. Münster. Sie waren ebenfalls auf dem R10 unterwegs und wollten nach St. Petersburg.

    In Dzwirzyno fanden wir einen überfüllten Platz, recht nah am Strand. Er war uns zu voll und die sanitären Einrichtungen waren erstmals nicht so toll. Es war einfach zu voll. Wir fanden einen schmalen Platz zwischen Wohnwagen und Caravan, zwei deutschen Ehepaaren.

    Der Platz in Pobierowo war ganz nach unserem Geschmack. Er lag waldnah, hatte einen Fernsehraum, eine Küche samt Kühlschränken und es war nur 1 km bis zum Strand. Hier blieben wir 2 Nächte.

    Kleine Episode am Rande: Die erste Nacht bezahlten wir gleich, 30 Zloty. Morgens war klar, dass wir noch eine Nacht bleiben wollten. Und jetzt kam es. Die zweite Nacht sollte nun 60 Zloty kosten. Nach viel Erklärungsversuchen in polnisch, ließ man uns dann aber für 30 Zloty, nachdem man aber noch 50 Zloty probiert hatte. Wir waren definitiv nicht bereit mehr zu zahlen und wollten gerne auf einen der zwei anderen Plätze umziehen, die noch an der gleichen Straße lagen. Das einsehend war man dann plötzlich mit 30 Zloty zufrieden. Janina bekam dann noch eine Strandtasche (nagelneu) geschenkt, sozusagen als Wiedergutmachung für die Unverschämtheit uns abzocken zu wollen.

    Im Seebad Miedzyzdroje lernten wir bei zwei Übernachtungen noch mal Polen ganz anders kennen. Hier war man fast in Deutschland. Nur der Kampfhund des polnischen Paares, dessen Zelt ausgerechnet direkt an den sanitären Einrichtungen stand, störte enorm.
    Das Seebad war in Schuss, der Strand schön, und vor allem der Woliner Nationalpark zu Fuß zu erreichen und zu erwandern. Hier besuchten wir auch das Wisent-Reservat. Gewandert sind wir knapp 16km und das bei 35 Grad im Schatten.
    Hier hatten wir eine nette Begegnung mit einem polnischen Reiseradler, dem ersten und letzten auf unserer Polenreise. Ein freundlicher Süd-Pole, der nach Danzig fahren wollte.

    Von Greifswald wurden wir in jeder Hinsicht überrascht. Eine super schöne Stadt und eine teure Stadt, wenn es um Unterkunft geht. Wir fanden mit viel Mühe eine Pension für 65 Euro die Nacht.
    Auch hier störte ein Kampfhund beim Eisessen auf dem Marktplatz.

    Wetter
    Wir hatten immer Sonne pur, nur einen Tag Regen. Es war eigentlich zu warm zum Radfahren!
    Entgegen vieler Warnungen blies der Wind nicht ständig von West nach Ost, wir hatten kaum mal Gegenwind, auch nur ein mal Rückenwind, meistens war kaum Wind, außer unserem Fahrtwind natürlich.

    Leute
    Ein Land wird von seinen Bewohnern geprägt. Richtig warm sind wir mit diesen nicht geworden. Anfangs mussten wir einsehen, dass wir für Aufsehen sorgten, weil die meisten wohl noch nie ein Tandem gesehen haben. Viele guckten uns vom Straßenrand hinterher, Mund halb offen. Einige machten aus dem Auto heraus mit ihrem Handy ein Foto von uns. Wir haben immer freundlich zum Gruß genickt. Reagiert hat hierauf keiner. Erst im Ermland bekamen wir von alten Mütterchen eine Erwiederung unseres Grußes. In den Skleps (Läden) wurden wir eher gleichgültig bedient, um nicht zu sagen unfreundlich. Viel Mühe machte man sich mit uns nicht. Im Hotel in Elblag erhöhte sich der Preis als man kaum noch zurück konnte, auf dem Campingplatz in Pobierowo versuchte man das doppelte zu kassieren. Auf zwei Campingplätzen bot man uns nur Sonne, obwohl Schatten möglich gewesen wäre. So macht man sich keine Freunde. So etabliert sich auch kein Radtourismus. Als Radreisender kann man sich nach einer langen Etappe nicht noch 6 Stunden in die pralle Sonne hocken! Ein paar nette Begegnungen hatten wir dennoch. Da es nicht allzu viele sind, führen wir sie stichpunktartig zur Erinnerung mal auf:

    • Die Schaffnerin im polnischen Zug war in Warschau geduldig. Wir konnten in Ruhe ausladen.
    • Ein Paar in Ostroleka beschrieb uns freundlich mit Händen und Füßen den Weg zum Hotel. Dass es nicht mehr betrieben wurde, war nicht ihre Schuld.
    • Auf dem Land kurz vor Swieta Lipka grüßte uns eine Bäuerin von sich aus, es blieb einmalig, dass uns jemand zuerst grüßte.
    • Im Ermland erwiderten ein paar ältere Frauen unseren Gruß.
    • An der Weichsel-Fähre knipste uns ein freundlicher Pole, der uns danach noch einimpfte, was die Fähre kostet. Er fürchtete, man würde bei uns zu hoch kassieren.
    • Auf dem alten Fischmarkt in Danzig sprach uns ein Polen-Deutscher an. Er war über 80 und meinte lapidar, er wäre damals geblieben. Schön wäre es in Danzig aber nicht. Wir unterhielten uns nett.
    • Ein freundlicher Süd-Pole sprach Janina auf dem Camping in Wladyslawowo an. Er konnte etwas Deutsch.
    • Die Pension in Wicko empfing uns freundlich. Hier waren wir gern gesehen.
    • In Ustka fuhr uns ein Blechdosensammler bis zum Campingplatz hinterher, um zu sehen, wie der Anhänger gebaut ist. Er konnte etwas Deutsch und war sogar mal in Köln. Er war froh, dass Janina ihm die Geschichte mit den Schlössern an der Hohenzollernbrücke erzählen konnte. In Köln hatte ihm dies damals keiner beantworten können.
    • Der Campingplatzbesitzer von Darlowo war sehr freundlich, er sprach auch etwas Deutsch.
    • Auf unserem letzten Camping in Polen trafen wir erstmals einen polnischen Radreisenden, der sehr nett war. Er fuhr ein Trekkingbike, der uns bis dahin unbekannten polnischen Fahrradmarke Unibike.

    Insgesamt sprach kaum einer Deutsch, noch weniger konnten Englisch, selbst die jungen Leute nicht. Aber das war an und für sich nicht das Entscheidende für nette Begegnungen. So haben wir die Chefin in Wicko sehr lieb gewonnen, obwohl sie immer nur Polnisch sprach und wir Deutsch. Wo ein Wille ist...

    Typisches
    Wir haben nicht so viele Kirchen gesehen wie zuvor gedacht. Dafür aber Kreuze und Marienfiguren in großer Zahl.

    Außerdem sind uns häufig Holzschnitzereien am Straßenrand begegnet.

    Ungewohnt war für uns auch der Anblick der Briefkästen, die vom ganzen Dorf an einem zentralen Platz aufgestellt waren.

    R10 - Ostseeküstenradweg
    An der Ostsee ist uns zwangsläufig auch der Radfernweg R10 (auch EuroVelo genannt) begegnet. Wir hatten nie geplant ihn zu fahren, unser Ziel war immer unsere eigene Route zu finden. Dabei landeten wir aber auch mehrfach auf ihm. Schon bei unserer ersten Begegnung mit den Reiseradlern aus Leipzig, die den R10 fuhren, hörten wir von langen Schiebestrecken durch tiefen Sand, löchrigen Pfaden und Betonplattenstraßen. Dass dies in der Tat so war, merkten wir bei unseren Kurztrips auf dem R10 immer sehr schnell. Ein bepacktes Tandem samt Anhänger durch tiefen Sand zu schieben, ist aber alles andere als eine Freude, weshalb wir uns immer wieder schnell den Weg auf die gute Landstraße gesucht haben.

    Schwund
    Wir hatten keine Panne, uns ist nichts gestohlen worden, wir sind nicht beraubt worden. Schwund gab es trotzdem. Wir haben einen Teil unseres Flaschenhalters am Bob Yak verloren. Er muss sich auf unruhiger Straße losgerüttelt haben. Er war irgendwann einfach ab. Marco hat sich noch im Urlaub von seinem Sherpa-Hemd getrennt. Der viele Schweiß und das auf das Hemd geflossene Wasser beim Kopf abkühlen hat es zusammen mit der Sonne derart ausgebleicht, dass es wirklich unschön aussah. Außerdem wäre der viele Schweiß aus dem Hemd nicht wieder rausgegangen.

    Wie war es?
    Wir hatten einen schönen und sehr sonnig heißen Radurlaub. Wir sind ein paar lange Etappen gefahren, trotz des vielen Gepäcks waren wir aber nie erschöpft. Wir sind durch einige wunderschöne Natur- und Kulturlandschaften gefahren. Die ausgedehnten Kiefernwälder waren für uns etwas Besonderes. Die Masurischen Seen waren auch schön. Das Ermland hat sehr bestochen. Die Danziger Bucht war aus Strandsicht ein Traum. Die Ostsee verkam zu Klein-Rimini, nicht ganz unser Geschmack, erst Recht nicht die festinstallierte Kirmes eines jeden Ortes. In Warschau zu starten, hat sich als goldrichtig erwiesen! Polen hat wirklich unglaubliche Natur zu bieten und es gibt unvorstellbar viel Wasser im gesamten Norden! Wer weiß, vielleicht kommen wir mal wieder.

    Track
    Wir haben unsere Tour mit unserem GPS-Gerät aufgezeichnet, den Track überarbeiten wir diesmal jedoch nicht für dritte. Wir hatten 2008 unseren Ungarn-Track zeitintensiv überarbeitet, auf Nachfrage auch immer gerne weitergegeben. Immer haben wir darum gebeten uns eine Rückmeldung nach der Tour bezüglich unseres Tracks zu geben, nie haben wir eine bekommen. Da sinkt die Motivation, ist doch klar.

    Kosten, unsere Ausgaben

    Literatur und Karte


    Und wo war nun Ost- und Westpreußen und Hinterpommern?
    Historisch betrachtet sind wir durch das westliche Ostpreußen (Masurische Seen und Ermland), über den ehemaligen Grenzfluss Nogat nach und durch Westpreußen mit der ehemaligen Hauptstadt Danzig und der Halbinsel Hela, und an der Ostseeküste durch Hinterpommern gefahren.

    Tandem-Expedition durch Polens Norden: Wir haben diesmal viel gefilmt und wie immer viel fotografiert und werden davon einen Film erstellen, den wir im kleinen Radfreunde-Kreis zeigen werden.


    Hier noch ein paar Links:

    Auswärtiges Amt - Polen: Reise- und Sicherheitshinweise

    Europäische Länder - Polen

    Urlaub in Polen - polnische Nationalparks