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    Janinas Leseecke - In den Wintermonaten verschlinge ich so manches Buch, hier seht ihr einen Teil davon, passend zum Thema Radreise:

    Der Fahrradführer Europa (Neuerscheinung 2010) ist ein schönes Lesebuch für alle, die sich über europäische Reiseziele informieren wollen. Hier wird Interesse geweckt. Hat man sich entschieden, muss aber vertiefende Literatur für die weitere Planung angeschafft werden. Dennoch ein unverzichtbares Werk für alle Radreiseinfizierte!

    Im Globetrotter Köln stand ein bepacktes Rad, das sichtlich einiges hinter sich hatte. Es war versehen mit Werbung für ein neues Buch mit dem Titel "Odyssee ins Glück". Die Kölnerin Dorothee Krezmar und der Schweizer Kurt Beutler waren als Radnomaden 10 Jahre, 160.000 km und auf 5 Kontinenten unterwegs. Ihr Buch ist lesenswert! Im Rückblick werden chronologisch Episoden der Reise erzählt. Mal erzählt Kurt, mal Dorothee. Beide haben einen fesselnden Erzählstiel. Das Buch legt man nicht weg, bevor es durchgelesen ist, obwohl es sehr dick ist.

    Tilmann Waldthaler ist ein Mensch, den ich auf eine gewisse Art bewundere, obwohl ich ihn nur durch die Medien kennen. Seine Homepage schätze ich, ebenso seine prompte Beantwortung von Emails und seine lebendige Art über seine Erlebnisse zu referieren.

    Sein Buch "Äquatour" hat mich schlichtweg erstaunt. Hier beschreibt er seine Weltreise mit dem Rad entlang des Äquators, die er alleine unternimmt. Beim Lesen des Buches, das in jedem Fall lesenswert ist, wundert man sich immer wieder darüber, was ihn treibt. Denn Tilmann beschreibt eigentlich vor allem die Torturen einer solchen Reise und es bleibt dem Leser letztlich verborgen, was an solch einer Reise tatsächlich positiv ist.

    Das Buch "Sieh diese Erde leuchten" ist nicht von ihm selbst geschrieben, sondern von Carlson Reinhard nach Erzählungen Tilmanns. Außerdem verbindet beide ein langjährige Freundschaft. Dass Carlson Reinhard ein guter Zuhörer ist, wird gerade deutlich, wenn man bereits "Äquatour" gelesen hat. Denn auch beim Lesen dieses Buches wird nicht wirklich deutlich, was das positive eines Lebens auf dem Sattel ist. Hier wird der Leser sicher entäuscht werden. Aber es wird viel aus Tilmanns Leben preis gegeben, so dass man sich durchaus selbst Gedanken machen kann.

    2005 erschien das Buch "Radnomaden - Mit dem Fahrrad nach China" von Markus Fix und Sarah Pendzich. Es ist bei Herder spektrum erschienen. Die Autoren erzählen abwechselnd von ihrer großen Radtour, die sich sehr kurzweilig liest. Vor allem Markus beschreibt auch seine gesundheitlichen Unzulänglichkeiten und vergisst nicht die Strapazen zu erwähnen, während für Sarah das ganze Leben wohl ein Fest ist. Ein unterhaltsames Buch für einen kalten Winterabend.

    Über eine Ebay-Auktion wurde ich auf Hermine Stampa-Rabe aufmerksam und ersteigerte gleich zwei Bücher von ihr. Ich wusste überhaupt nicht was mich erwartet. Es kamen echte Tagebücher (Skripte) einer Rentnerin, die ihre nun freie Zeit für Radreisen nutzt. Ein Skript beinhaltet ihre organisierte USA Durchquerung (Take Care!) und eines erzählt von ihrer selbstorganisierten Tour von Süd-Spanien nach Kiel (Sengende Sonne, Sandsturm, Berge). Ich las in der Folge beide Tagebücher. Das erste fand ich noch unterhaltend, obwohl es ein echtes Tagebuch ist, wo letztlich auch Banalitäten wie das tägliche Frühstück und allabendliche Waschen des Trikots nicht zu kurz kommen. Beim zweiten Buch störte mich dann zusehends, dass das Buch kein Lektorat gesehen hat. Zuviel Tagebücher sollte man dann wohl doch nicht lesen. Dennoch habe ich beide Bücher zuende gelesen und es auch nicht bereut! Hermine ist eine von jenen Radreisenden, die in ihrer Jugend besser Rennrad gefahren wäre. Sie zieht Autostraßen und Fernwege generell alternativen Routen durch die Natur und auf Nebenstraßen vor. Die Unterkünfte für die gesamte Reise sind, wenn möglich, vorgebucht und lassen wenig Freiheit. Ein ganz anderer Reisestil als meiner, für mich bleibt es auch unverständlich. So rechnet Hermine immer die Kilometer, die sie von A nach B braucht und wählt den kürzesten Weg, was nun mal meistens die Autostraße ist. Da ist Toleranz gefragt.

    Dennoch Hut ab vor ihrem Mut!

    2002 erschien in der deutschen Ausgabe "Der Traum von Afrika" von Pamela Watson. Es beschreibt die Solo-Radtour von Pamela durch Nordafrika, von West nach Ost. Es passiert selten, aber hier ist es passiert, ich habe das Buch irgendwann weggelegt und nicht zuende gelesen. Es hat mich nicht gefesselt. Warum, kann ich gar nicht genau sagen, vielleicht verliert das Buch in der Übersetzung, vielleicht ist es nicht spannend geschrieben...

    Roff Smith, ein in Australien lebender Journalist aus Neuengland in den USA, hat sich eine Auszeit genommen und ist ein mal rund um den australischen Kontinent gefahren. Als Journalist, weiß er wie man einen spannenden Reisebericht schreibt. Man erfährt viel über den australischen Kontinent. Lesenswert!

    Der 2000 erschienene Titel lautet "Eiskaltes Bier und Krokodile - Mit dem Fahrrad durch Australien".

    Dieter Kreutzkamp ist bereits weltreiseerfahren als er seine Radreise quer durch Australien startet. Seine Tour zwischen Outback und Pazifik, die er mit seiner Frau Juliana unternimmt, liest sich als spannendes Abenteuer in einem weg. Sehr lesenswert!

    Weitere Bücher von Kreutzkamp:
    Weltreise. 4300 Tage unterwegs auf 5 Kontinenten
    Mitten durch Deutschland: Auf dem ehemaligen Grenzweg von der Ostsee bis nach Bayern
    Am schönsten Ende der Welt Neuseeland: Outdoor-Träume mit Fahrrad, Pferd und zu Fuß
    Kalte Schnauzen, kalte Hände. 1000 Meilen mit Huskies durch Kanada und Alaska

    1999 erschien das Tagebuch einer Neuseeland-Radreise von Klaus Offermann. Das Buch ist sehr lesenswert und über den Autor direkt erhältlich: Klaus Offermann. Hier gibt es eine treffende Inhaltsangabe.

    1996 erschien "Das Glück ist eine Insel" von Barbara Krause. Ich kann gar nicht genau sagen in welches Genre dieses Buch einzuordnen ist. Erschienen ist es bei Herder Spektrum.
    Ist es ein Abenteuerroman, eine Erzählung? Hat die Hauptperson je die Irische Reise auf dem Rad angetreten? Alles nur ausgedacht? Diese Fragen bleiben offen. Die Geschichte, die aber erzählt wird, ist lesenswert. Die Frau, die hier ihre Erlebnisse schildert, ist verheiratet, hat Enkel und antwortet dennoch auf eine Anzeige, wo ein Mann eine Mitradlerin für eine mehrwöchige Irlandreise sucht. Er wählt sie unter vielen aus und ihr gemeinsames Abenteuer beginnt. Ein Buch für all jene, die sich auch schon mal gefragt haben, wer solche Anzeigen aufgibt und wer antwortet...

    Das Buch Weltsichten hat mich bisher von allen Radreiseberichten, die ich gelesen habe, am meisten gefesselt. Peter Glöckner schreibt in der Ich-Person über die Rad-Weltreise, die er mit Axel Brümmer von 1990-1995 gemacht hat. Es verwundert etwas, dass die beiden als Autoren auftreten, obwohl nur einer erzählt, aber liest man das Buch, dann wird vieles deutlich. Beide sind große Persönlichkeiten, beide wären auch in der Lage gewesen eine solche Reise alleine zu unternehmen. Aber Axel war der, der einen Mitradler suchte, sozusagen der Initiator der Tour. Anfangs fuhr Peter einfach mit. Aber die beiden sehr unterschiedlichen Charaktere rauften sich zusammen. Peter verschweigt nicht die Schwierigkeiten einer solchen Reise. Aber er beschreibt auch sehr fein die schönen Momente, seine Naturerlebnisse und Empfindungen. Philosophisch sind seine Gedanken zum normalen Leben und zur Heimat.
    Es endet mit folgenden Worten: "Eine Journalistin fragte, ob sich das Abenteuer für uns gelohnt habe? Ja, sagte Axel, weil ich mir einer für mich unbekannten neuen Art von Freiheit bewußt wurde - Freiheit ist, Zeit zu haben."

    Dieses Buch ist eigentlich ein Muss und es liest sich, wenn genügend Zeit vorhanden ist, auch in einem weg, ohne dass Langeweile aufkommt, im Gegenteil, es ist spannend, man will nicht aufhören!

    Das Buch Bike-Abenteuer Afrika von Hartmut Fiebig ist sehr lesenswert. Es ist bereits 1994 erschienen, aber immer noch aktuell, so schnell verändert sich Afrika schließlich nicht. Wirklich empfehlenswert, viel historisch-politisches Wissen, es kommt zu keiner Zeit Langeweile auf. Man bekommt Lust auch mal von Kairo nach Kapstadt zu radeln!

    Hartmut Fiebig ist Mitbegründer und -inhaber von grenzgang!

    1989 schrieb Christian E. Hannig sein erstes Buch über eine Radreise. Ihm sollten weitere folgen. "Mit dem Fahrrad durch Alaska" ist durchaus lesenswert. Christian beschreibt ehrlich und ungeschönt seine Radreiseerlebnisse. Er ist ein Naturliebhaber und leidensfähig, die richtigen Vorraussetzungen für die Reise durch Nordamerika. Da er spät im Jahr reist, schrammt er noch den Winter, weshalb es auch noch richtig kalt wird. Christian reist allein.

    Westafrika ist der erste Reisebericht in Buchform von Peter Smolka. Die Westafrika-Radreise ging 1988 von Deutschland nach Marokko und weiter über Mauretanien, Senegal, Mali und Burkina Faso nach Togo. Die Reise dauerte 4 Monate. Peter Smolka war Alleinreisender. Sein Bericht ist sehr lesenswert! Er nimmt einen durch seine Erzählweise mit nach Afrika, so dass man das Buch auch gerne in einem weg liest.

    Auch wenn ich selber bei zwei Marokko-Rucksackreisen deutlich positivere Erfahrungen machen konnte als er, und selbstverständlich bereits in Marokko mit der Teezeremonie vertraut gemacht wurde.

    Das Buch kann man nur noch gebraucht ersteigern, oder aber bei Peter Smolka persönlich.

    Sein zweites Buch "Rad ab!" beschreibt seine Weltreise einige Jahre später. Ebenfalls lesenswert!

    Der Luxemburger Patrick Hettrich hat 1987 ein Buch zu seiner einjährigen Radreise durch Südamerika veröffentlicht. Er wurde im Jahr der Reise 20. Das Buch hat mir besonders gefallen. Patrick ist allein unterwegs. Bücher von Alleinreisenden empfinde ich häufig, obwohl sie mir in ihrer Gesamtheit gefallen, in Teilen etwas langweilig. Das war bei Patrick nicht so. Er hat viel zu erzählen und erzählt es packend! Außerdem ist er leidensfähig und voller Lebensfreude, weshalb bei ihm immer zu spüren ist, wieviel Spaß und Freude das Radreisen für ihn bringt, auch in Situationen, wo man mal fluchen könnte, ist für ihn das Glas halb voll!

    Patrick Hettrich: Mit dem Fahrrad von Feuerland nach Mexiko, 25 000 km allein durch Südamerika, kann nur noch gebraucht erworben werden.

    Bettina Selby ging bereits in den frühen 80-zigern alleine auf Radreisen. Ihr erster Reisebericht "Himalaja" hat mir recht gut gefallen. Ihr Buch "Ah Agala" habe ich angefangen, aber irgendwann weggelegt und obwohl noch zwei mal versucht, es weiter zu lesen, liegt es noch immer nicht zuende gelesen hier. Vielleicht liegt es auch hier an der Übersetzung. Nicht jedes Buch kann man in beliebig viele Sprachen übersetzen, nicht jeder Übersetzer ist wirklich gut.

    Himalaja
    Ah, Agala!

    Bereits 1980 erschien "Heiße Tour Afrika" von Helmut Hermann. Es ist ein Abenteuer-Report über die Tour von Helmut mit dem Fahrrad von Algier nach Kapstadt. Das Buch ist zu keiner Zeit langweilig, die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten. Da Helmut alleine reist, bekommt er häufig Einblicke in das afrikanische Leben. Dennoch weiss er, dass es nur kleine Einblicke sind und ihm Afrika in seiner besonderen Mentalität in vielen Bereichen verborgen bleiben wird.

    Das Buch kann man nur noch gebraucht ersteigern.

    Helmut Hermann ist Herausgeber des Fahrrad Weltführer: Mit Rad und Mountainbike durch die Kontinente. Der Reiseführer für Fernradler durch Amerika, Afrika, Asien, Australien und Ozeanien.

    In den 60-er Jahren erschienen drei Bände über die Fahrradweltreise von Walter Hamann. Sie richteten sich an ein eher junges Publikum. Aber auch ich als Erwachsene, hatte Freude den Band "Von Kanada bis Mexiko" zu lesen.

    Feuer für Melbourne - Mit dem Fahrrad nach Australien ist ein sehr schöner Abenteuerbericht. Es sind die Tagebuchaufzeichnungen von Willi Steinhoff, Winfried Wiegand und Hans Hofstede von ihrer Radreise von Essen nach Melbouren. Willi und Winfried haben die Olympischen Spiele (1956) vor Augen und entzünden in Griechenland ihr olympisches Feuer in der alten Grubenlampe von Willis Großvater. Dieses bringt Willi nach Melbourne. Winfried muss gesundheitsbedingt aussteigen. Aber bald springt Hans für Winfried ein und begleitet Willi nach Australien. Das Buch liest sich in einem weg.

    Das Buch kann man nur noch gebraucht ersteigern.


    Heinz Helfgen hat nach dem 2.Weltkrieg als er als Journalist keine Arbeit finden konnte einfach sein Fahrrad genommen und ist um die Welt geradelt. Auf dem Arbeitsamt sagte er: "Also, notieren Sie auf meiner Karteikarte: Zur Zeit auf Weltreise!" Und er fuhr wirklich! Seine Erlebnisse erzählt er in zwei Bänden.
    Band 1 heißt Ich radle um die Welt, von Düsseldorf bis Burma,
    Band 2 Indochina - Japan - USA - Grüne Hölle.

    Ich empfehle Band 1, von Band 2 würde ich eher abraten, da verliert sich der Radreisebericht in Tigerjagden und Amazonas-Durchquerungen.
    Band 1 ist aber wärmstens zu empfehlen, vor allem für zusätzlich historisch interessierte und versierte Leser. Schön sind die Passagen zu Goa, der portugiesischen Kolonie von der bis dahin in Deutschland kaum einer je etwas gehört hatte. Aber auch Burma, heute Myanmar, fasziniert in sofern, als man feststellen muss, dass sich seit den Fünfzigern scheinbar für die Menschen nichts verbessert hat. Das Buch regt zum Nachdenken an! Es ist nach wie vor sehr aktuell.
    Die beiden Bände gibt es fast immer im ebay-Angebot.

    Heinz Helfgen lebt übrigens nicht mehr.

    Tjeu Lemmers hat 2009 zusammen mit seiner Frau eine dreimonatige Auszeit für eine Radtour von Holland nach Kapadokien genutzt. Ansprechend berichtet er in seinem Buch Op de fiets naar Cappadocië über die Reise und seine Radreisephilosophie, wie Wildcampen. Ein kurzweiliges Buch, sehr lesenswert.

    Ilja Leonard Pfeijffer ist ein erfolgreicher niederländischer Schriftsteller. Berichtet ein solcher von seiner Radtour (2008) von Holland nach Rom, dann muss es Literatur werden. Ihm ist mit De filosofie van de heuvel wirklich ein gutes Werk gelungen. Sehr lesenswert! Ach ja, er fuhr zusammen mit seiner Freundin Gelya Bogatishcheva.

    Frank van Rijn ist der Tilmann Waldthaler der Niederländer. Frank hat sich sein ganzes Leben lang die Welt vom Fahrradsattel aus angeschaut. Da man von irgendwas leben muss, hat er viele Bücher darüber geschrieben. Zwei davon habe ich gelesen. De twee scherven - op de fiets van Peking naar Pakistan und Pelgims en pepers - op de fiets dwars door azië. Beide sind lesenswert!