Nachdem wir über 20 Jahre auf Rucksack- und Fahrradtouren, aber auch bei Jonglierconventions und vielen Campingurlauben immer mit dem Campingaz®-Gaskocher Bleuet® (noch so ein richtig stabiles Teil, wie es heute nicht mehr zu bekommen ist) unsere Mahlzeiten zubereitet hatten, sehnten wir uns nach einem Benzinkocher. Der Bleuet® wird mit Stechkartusche mit einer Butan-/Propangasmischung betrieben. Stechkartuschen der Marke Campingaz® gab es zwar in der Anfangszeit der Anschaffung in ganz Westeuropa an sehr vielen Campingplatz-Rezeptionen zu kaufen, aber heute zwanzig Jahre später so gut wie gar nicht mehr. Das hat zur Folge, dass man die benötigten Gaskartuschen vorab alle kaufen und mit transportieren muss. In unserem Fall waren es meist 4 weitere Kartuschen, die mitgeschleppt werden mussten. Sie wiegen je 190 g! Aber es war vor allem ein Platzproblem! Warum es kaum noch in Westeuropa diese Kartuschen auf Campingplätzen zu kaufen gibt, liegt sicher am Wandel der Zeit. Heute reist man nicht mehr mit kleinem Gepäck, man nimmt als moderner Camper gleich große Gasflaschen und doppelte Herdplatten mit, die gut ins Auto passen, das meist direkt neben dem Zelt steht. Oder gleich mit Caravan oder Wohnwagen. Außerdem gibt es heute viele Konkurrenzprodukte. So hatten wir damals natürlich auch die Campingaz®-Lampe und die Campingaz®-Isotherm Extreme Flasche, weil alles sicher sehr gut war, aber auch konkurrenzlos im Geschäft stand.
Schon immer gab es außerhalb West-Europas ein Verfügbarkeitsproblem. Zur Erläuterung sei noch mal gesagt, dass Stechkartuschen nicht wieder aufgefüllt werden können. Ein mal angepickst müssen sie im gleichen Brenner abgebrannt werden. Im Gegensatz zu Schraubkartuschen, kann man sie nie wieder herausnehmen und woanders nutzen.
Neben der mangelden Verfügbarkeit fällt bei uns auf, dass 5 Kartuschen für einen 3-wöchigen Urlaub mit etwa 11-15 Euro (je nach Verkaufspreis) zu Buche schlugen, unser Benzinkocher aber mit etwa 1,5 Liter im gleichen Zeiteraum zufrieden ist, was etwa 2 Euro kostet. Dafür ist der Benzinkocher jedoch in der Anschaffung deutlich teurer, was sich aber bei starker Nutzung wieder amortisiert. Hier sei auch noch mal betont, dass es uns um Tankstellenbenzin geht. Reinbenzin ist auf Touren ebenso schwer zu bekommen, wie Stechkartuschen eines bestimmten Herstellers!
Benzin gibt es überall auf der Welt! Dafür ist Autobenzin beim Abbrennen aber im Falle des Einatmens schädlich, was ganz klar Disziplin im Umgang erfordert. Reinbenzin ist sauber, aber auch wieder teuer (1l etwa 5 Euro) und nicht überall erhältlich, weshalb Nutzer doch fast immer auf Autobenzin zurückgreifen.
Auf der Suche nach einem Benzinkocher fiel uns der Primus Eta Power Multi Fuel auf. Dieser kann Gas, Reinbenzin, Tankstellenbenzin, Petroleum und im Notfall sogar Diesel verbrennen. Hierfür ist nur die Düse zu wechseln. In dem Gesamtpaket Eta Power ist zugleich ein Topfset und stabiler Windschutz inbegriffen. Wie uns schien, eine saubere Komplettlösung. 2008 erwarben wir also unseren ersten Benzinkocher. In der Folgezeit machten wir dann unsere Erfahrungen, über die wir hier berichten wollen, denn es blieb nicht unser letzter Benzinkocher, 2010 kauften wir uns noch den Omni Fuel, natürlich nicht ohne Grund.
Wie die nachfolgenden Videos zeigen, ist es beim Multi Fuel nämlich gar nicht so leicht eine saubere Flamme mit Tankstellenbenzin hinzubekommen.
Damit Benzin rußfrei verbrennt und eine blaue Flamme entstehen kann, muss es verdampfen. Beim Multi Fuel geschieht das in dem Messingrohr über dem Brenner. Dazu wird zu Beginn in einer Schale unverdampftes Benzin angezündet. Hierbei entsteht eine rußende Flamme, die sich genau unter dem Lufteinlass des "Vergasers" befindet. Wenn dann das Verdampferrohr ausreichend heiß ist, um das Benzin richtig zu vergasen, ist der Lufteinlass bereits teilweise verstopft. Nach Anzünden des Luft-Gas-Gemischs stimmt das Mischungsverhältnis also nicht mehr, weil nicht genug Luft angesaugt werden kann. Das ist die Ursache für die gelbe Flamme, die in der Folge entsteht und bleibt. Kochen ist hiermit unmöglich, da der entstehende Ruß gesundheitsgefährdend und eine schmutzige Angelegenheit ist.
Eine gründliche Reinigung ist dann erforderlich. Uns ist es mehrfach passiert, dass wir trotz zeitintensiver Reinigung nicht alle Rückstände beseitigt bekamen, so dass es schließlich nur kalte Küche gab. Erst durch wiederholtes säubern bekamen wir irgendwann alles doch noch sauber. Ein sehr unbefriedigender Zustand, wenn man nach einer Tour eigentlich kochen und Kalorien für den nächsten Tag zu sich nehmen will.
Wir halten inzwischen die Konstruktion des Multi Fuel in Bezug auf das Vorheizen für mangelhaft!
In dieser Auffassung bestätigt sehen wir uns seit wir den Omni Fuel nutzen. Denn hier haben wir keine derartigen Probleme. Das Vorheizen ist so effektiv, dass man schnell eine heiße (blaue) Flamme bekommt.
Hier rußt es anfangs zwar auch, aber konstruktionsbedingt kann der Lufteinlass nicht verrußen. Besonders ist hier auch, dass der Ruß der anfangs beim Vorheizen entsteht, während des späteren Kochens mit blauer Flamme komplett verbrannt wird. Am Ende ist kein Ruß an dem Brenner mehr zu sehen.
Primus Eta Power Multi Fuel, | Primus Omni Fuel, |
|
Verfügbarkeit des Brennstoffs | Benzin ist immer verfügbar, aber er kann kein Spiritus | Benzin ist immer verfügbar, dazu Spiritus |
Wartungsfreiheit | Grundsätzlich: kein Unterschied, bei Tankstellenbenzin ist regelmäßige Reinigung unabdingbar, viele Teile sind zu reinigen
| Grundsätzlich: kein Unterschied, bei Tankstellenbenzin ist regelmäßige Reinigung unabdingbar, hier aber sind weniger Teile zu reinigen |
Betriebslautstärke | leise | sehr laut |
Regulierbarkeit | ja, aber nicht so präzise | ja, sehr genau und direkt, auch im unteren Bereich |
Heizleistung | kein erkennbarer Unterschied | kein erkennbarer Unterschied |
Effizienz | Sehr effizient durch den speziellen Topf und den ausgesprochen guten Windschutz. | Für uns grundsätzlich kein Unterschied bei den Brennern, aber hier gibt es keinen guten Windschutz, sehr dünnes Material, beim Aufklappen durchaus Verletzungsgefahr.Wir nutzen den mitgelieferten Windschutz nicht! |
Gewicht | 1.480 Gramm laut Hersteller, inklusive Töpfe und Gas-/Brennstoffflasche | 464 Gramm laut Hersteller, ohne Töpfe, ohne Gas-/Brennstoffflasche |
Preis | ca. 169 Euro, günstiges Gesamtpaket | ca. 169 Euro, da ohne Töpfe und Gasflasche also teurer |