
Bevor wir den Colorado auf unserer Fahrt richtig kennen lernen konnten, haben wir ihn schon von unserem Fahrradlenker verbannt. Obwohl wir die Möglichkeit hatten die Akkus unterwegs über den Nabendynamo zu laden, war der Energiehunger des Colorados zu hoch - dazu später mehr.
Inzwischen gibt es einige (durchweg negative) Erfahrungsberichte über den Colorado zu lesen. Trotzdem möchten wir unsere Erfahrungen schildern, weil bei einem Großteil der Berichte weder die Kompetenz noch die Tiefe des Tests zu erkennen ist und nicht immer die wesentlichen Aspekte bei der Nutzung mit dem Fahrrad und zu Fuß wiedergeben werden.
Was uns positiv aufgefallen ist:
Tracks/Routing
Besonders schlimm ist die Behandlung von Tracks. Garmin sollte inzwischen wissen, wie seine Kunden, besonders Radfahrer, mit Navigationsgeräten umgehen - nämlich anders als bei der Satellitennavigation für das Auto: Bei Radtouren oder Wanderungen ist der Weg das Ziel. Da wird ein Track geplant, der eine Orientierung bietet. Gegebenenfalls werden weitere Tracks erzeugt, die mich bei Bedarf von meiner Haupttour zu interessanten Punkten links und rechts davon führen. Beim GPSmap kann ich alle diese Tracks bei Bedarf separat ein- und ausblenden, oder ihnen eine andere Farbe geben. Befinde ich mich auf meinem Haupttrack, kann ich ohne Probleme bei Bedarf auch auf einen anderen Track wechseln, der während der Tour im Bildbereich auftaucht - egal in welcher Richtung! Am Gerät kann man die Tracks sogar umbenennen und löschen. Auch einen Track anwählen, um ihn auf der Karte suchen und anzeigen lassen zu können (mit Zoomfunktion), kein Problem. All dies geht mit dem Colorado nicht: Man sieht erst mal keinen Track. Umbenennen, löschen, umfärben - nicht dran zu denken. Man muss erst unter Zieleingabe einen Track auswählen. Dann bekommt man eine Voransicht in der Karte (Zoomen nicht möglich). Nach Start der Navigation wird der Track gnadenlos in eine Route umgewandelt. Andere Tracks können nicht gleichzeitig angezeigt werden.
Besonders ärgerlich ist es, wenn man die Richtung nicht am PC bedacht hat. Möchte man den Track am Endpunkt starten hat man Pech: Das Gerät gibt die Meldung aus: "Sie befinden sich bereits am Ziel".
Auch kommt es häufig vor, dass die Route plötzlich verschwindet und nur noch eine Luftlinie vom Start- zum Zielpunkt angezeigt wird. Auch Meldungen wie "Am Startpunkt befindet sich keine Straße" mussten wir schon lesen. Mit all diesen Macken der Routingfunktion muss man sich leider rumschlagen, weil man die Tracks sonst überhaupt nicht nutzen kann.
Wir werden den Eindruck nicht los, ein Navigationsgerät für das Auto vor uns zu haben: Zieleingabe - Start - So schnell wie möglich zum Ziel - Navi für Dummis.
Display-Helligkeit
Was nützt mir ein größeres Display, wenn es ohne Hinterleuchtung schlechter bis gar nicht (je nach Umgebungslicht) ablesbar ist?
Akkustandzeit
Wie bereits erwähnt haben wir das Gerät bereits nach drei Reisetagen für den Rest unserer Tour ausgeschaltet gelassen. Der Colorado zeigte nämlich nach wenigen Stunden eine niedrige Akkuspannung an. Wir dachten erst, an nicht ganz aufgeladene Akkus und haben den Test gemacht: Beide Geräte (Colorado und GPSmap) statteten wir mit neuen Batterien aus (Duracell plus). Während wir mit dem GPSmap navigierten (zoomen, Seitenwahl, ...) blieb der Colorado einfach nur eingeschaltet (keine Displayhinterleuchtung und keine Tastenbedienung). Nach exakt drei Stunden und fünf Minuten schaltete sich der Colorado aufgrund Energiemangels ab. (Der GPSmap machte erst im Laufe des übernächsten Tages schlapp).
Ein Update auf die Betaversion 2.5.1 erhöhte die Batterielaufzeit auf 5 Stunden und 45 Minuten. Im Vergleich zum GPSmap sehr gering und nicht akzeptabel.
Bei eingeschalteter Displayhinterleuchtung ist die Akkustandzeit logischerweise noch kürzer. Es würde uns interessieren wie lange das Gerät mit aktiver Funkverbindung (z.B. zum Herzfrequenzmesser) durchhält.
Lufttemperaturmessung
Ist ja toll, dass es diese Funktion gibt, aber sie verdient ihren Namen nicht: Es wird eher die Geräteinnentemperatur angezeigt, die noch mal vor Augen führt, wo die Energie des Akkus bleibt: Sie wird vor allem in Wärme umgesetzt!
Fahrradhalter
Ein Stück Plastik mit zwei billigen (weil ohne Metallsperre) Kabelbindern.
Eine Unverschämtheit, bei einem Verkaufspreis von EUR 16,-
Es gibt am Colorado noch nicht einmal eine Öse, mit der man das Gerät zusätzlich sichern kann.
Wo man beim Funktionsumfang bezüglich Tracks bestimmt noch einiges durch Firmwareupdates verbessern kann, ist dies beim Display und vor allem bei der Akkustandzeit des Colorados wohl bei den verkauften Geräten nicht mehr möglich.
Wir wundern uns über die Entscheidung Garmins, diese unausgegorene Entwicklung anzubieten.
Der Energieverbrauch des Colorados ist für seine bestimmte Anwendung (Outdoor) inakzeptabel.
Und wer denkt, man könne das Gerät doch über den USB-Port am PC mit Energie versorgen, dem sei gesagt, dass in diesem Fall keine Bedienung mehr möglich ist. Mit dem GPSmap ist dies kein Problem!
Uns bleibt nichts anderes übrig, als im GPS-Treff Köln, als Ansprechpartner beim ADFC-Köln in Sachen Satellitennavigation, auf unserer Homepage und bei unseren GPS-Kursen vom Kauf dieses Gerätes abzuraten.
Nachtrag vom 3.7.2008:
Oben steht, dass der Colorado am PC angeschlossen nicht bedienbar ist. Das ist normalerweise richtig (Werkseinstellung!). Aber durch Aktivierung des Spannermodus ist es doch möglich.
Wo wird der Spannermodus aktiviert? Einstellungen, System, Interface, Garmin Spanner auswählen!
Was ist der Spannermodus? Das ist der Modus bei dem man nach Anschluss an den PC aufgefordert wird zu entscheiden, ob man mit dem PC Daten austauschen möchte, oder den PC nur als externe Stromquelle nutzen möchte.
Nachtrag vom 24.3.2009:
Wir haben unseren Colorado inzwischen verkauft und uns vom Erlös einen eTrex Vista HCx gekauft. Der Fehl-Kauf Colorado war zwar alles in allem ein Verlustgeschäft, aber wir sind froh ihn durch ein so tolles Gerät wie den eTrex Vista ersetzt, und der Geschichte Colorado, damit ein Ende gesetzt zu haben.