
Wir hatten die Rohloff Speedhub 500/14, schwarz, Nabentyp TS EX OEM (Seriennummer: 112 051) in unser Tandem eingebaut, nachdem die vorher montierte SRAM i-motion ihren Dienst zum zweiten Mal mit einem Totalschaden quittiert hatte.
Montage
Die Getriebenabe haben wir, fertig in einer rigida Andra 30 Felge eingespeicht, über den Kölner-Fahrradhändler Prumbaum, bei Rohloff bestellt. Zusätzlich wurde noch das Ritzel getauscht, um ohne Wechsel des Kettenblattes, eine von Rohloff empfohlene Kombination zu erhalten.
Nach Befüllen mit Öl, konnte die Nabe problemlos eingesetzt werden. Zum Glück ist das Ausfallende des Rades schon so konstruiert, dass die Drehmomentabstützung und ein Kettenspanner entfallen können. Wir haben die Version mit Vollachse gewählt, um unsere bisherigen BOB-Yak-Muttern verwenden zu können.
Mit Hilfe der Montageanleitung, war es auch kein Problem die Boudenzüge zu verlegen und mit der Schaltbox zu verbinden.
Bedienung
Was uns sehr bald aufgefallen ist, ist der offensichtlich viel bessere Wirkungsgrad der Rohloff gegenüber der SRAM. Seitdem wir unser aktuelles Tandem mit der SRAM fuhren, hatten wir immer das Gefühl mit angezogener Handbremse zu fahren. Selbst auf ebener Strecke war es ungewohnt anstrengend. Natürlich hatten wir beim Umstieg von unserem alten 3-Gang-Holland-Tandem (Sturmey Archer England) etwas anderes erwartet.
Langsame Durchschnittsgeschwindigkeiten spiegelten sich fortan auch in der Statistik in unserem Tourenbuch 2008 und 2009 wieder.
Mehrmals haben wir versucht, die Ursache zu finden. Wir konnten aber keine Schwergängigkeit im Tretlager, der Kette, durch den Chainglider, oder sonst wo finden. Zum Schluss gab es nur zwei mögliche Gründe: Entweder ist es die Schaltung, oder es handelt sich um ein subjektives Empfinden, also ein psychisches Problem.
Aber dieses Problem war nach Einbau der Rohloff sofort verschwunden. Es war also doch die Schaltung, die uns ausgebremst hatte. Das beruhigte uns vor allem deshalb, weil wir schon langsam so was wie einen Komplex entwickelten, was nicht verwundert, wenn man, obwohl körperlich topfit, immer so langsam ist, dass man immer überholt wird und definitiv nicht mithalten kann, oder nach Anstiegen in der Eifel ernsthaft darüber nachdenkt, noch dem richtigen Hobby zu frönen.
Die Steuerung der Nabe über den Drehgriff ist angenehm. Durch das dreieckige Profil des Griffes, hat man immer genug Grip für eine gute Kontrolle. Obwohl die Boudenzüge beim Tandem viel länger als normal sind, ist die Schaltung sehr direkt und relativ leichtgängig. Dies ist auch unserer Meinung nach, der größte Vorteil der Rohloff gegenüber anderen Nabenschaltungen. Bei der Rohloff kann man über den Griff direkt in die Schaltung fühlen. Man spürt direkt, ob ein Gangwechsel bei der momentanen Tretlast gesund zu schalten ist. Eine Korrektur ist jederzeit möglich, da man in beide Richtungen aktiv steuern kann.
Andere Schaltungen hingegen arbeiten mit einer Rückholfeder.
Bei der SRAM gab es im Gegensatz zur Rohloff nur die Möglichkeit einen Schaltwunsch zu äußern. Man konnte nur hoffen, dass der Schaltvorgang ausgeführt wurde, da er oft nur mit einem Knirschen quittiert wurde, ein zurück gab es nicht.
Mit der Rohloff ist unserer Erfahrung nach, ein Schalten (im Totpunkt) auch unter Last bis runter in den vierten Gang möglich. Danach wird es kritisch und es ist eine deutliche Entlastung nötig, was mit dem Tandem nicht immer unproblematisch ist. Bekanntermaßen gibt es auch bei der Rohloff unerwünschte Zwischengänge, das heißt, wenn man zwischen bestimmten Gängen schaltet, ergeben sich neue ungewollte Untersetzungen. Wenn man jedoch immer gefühlvoll, aber dennoch beherzt bis zur nächsten Rastung schaltet, dann bleibt man von diesen Überraschungen verschont.
Fazit
Gerade auch beim Tandem macht die Rohloff eine gute Figur und ist nach unserer bisherigen Erfahrung absolut tandemtauglich.
Und gerade beim Tandem hat eine Nabenschaltung gegenüber einer Kettenschaltung Vorteile. Beispielsweise die Verkleidung der Kette mit einem Vollschutz (z.B. Chainglider). Das Schalten - auch unter Last - ist möglich und stört deshalb auch nicht die Harmonie der Fahrer. Bei plötzlichen Stopps ist das Schalten im Stand vorteilhaft. Dabei kann im Extremfall in einem Rutsch vom 14. in den 1. Gang runtergeschaltet werden.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Robustheit der Nabe und natürlich der Service von Rohloff. Besonders bei längeren Radreisen ein unverzichtbares Muss.
Diesen Service werden wir aber hoffentlich so bald nicht in Anspruch nehmen müssen. Durchaus gerne, würden wir hingegen mal den Rohloff-Betrieb in Fuldatal besuchen!
Empfehlenswerte Lektüre
Ein schönes Buch mit vielen Geschichten von Rohloff-Besitzern rund um ihre Rohloff-Erfahrungen. Aber vor allem interessant, ist das Kapitel zur Speedhub-Technik und zu allem rund um die Firma, inklusive Mitarbeiter. Und warum taucht eigentlich der Rabe im Firmenlogo auf?