Autodachträger zum Transport unseres Tandems (August 2011)
Warum?
Um unseren Aktionsradius zu vergrößern, sprich auch mal entferntere Gegenden zu erkunden, sind wir bisher mit der Bahn gefahren. Wer mal mit Rad und Bahn unterwegs war, weiß wie kompliziert und anstrengend das sein kann. Mit Gepäck und mit Tandem war es manchmal eine Qual.
Obwohl wir nicht gerne Auto fahren, haben wir uns deshalb entschieden, wenn es möglich ist auf die Bahnfahrt zu verzichten. Da wir ein großes Auto (Ford Mondeo) haben, ist es möglich, das Tandem im Kofferraum zu verstauen. Dazu muss man jedoch die Vordergabel abmontieren. Das Rad nimmt dann die gesamte Ladefläche ein, sodass zusätzliches Gepäck zwischen den Radstreben oder sogar auf dem Rad platziert werden muss. Insgesamt keine optimale Lösung.
Die Alternative heißt: Transport auf dem Autodach.
Wie?
Bei Treffen mit anderen Tandemfahrern haben wir bisher die unterschiedlichsten Varianten hierzu kennen gelernt:
Tandem stehend auf dem Dach auf einem verlängerten normalen Radträger.
Tandem stehend auf dem Dach mit Liftersystem.
Tandem liegend auf dem Dach.
Direkt fanden wir die Variante am Ansprechendsten, wo das Tandem auf dem Autodach liegt. Zum einen ist die Montage stabiler, weil hier geringere Hebelkräfte wirken. Das ist besonders bei einem schweren Tandem wichtig. Zum Anderen gibt es das Problem, das Rad auf das Dach zu hieven. Was bei einem normalen Fahrrad im wahrsten Sinne des Wortes noch zu stemmen ist, kann man mit einem Tandem vergessen. Der Vorteil der liegenden Variante ist, dass man den Träger vor dem Beladen seitlich am Auto herunter fährt. Man befestigt das Tandem seitlich vom Auto und schiebt dann den Träger samt Tandem auf das Dach.
Kaufen oder Eigenbau?
Auf einem Tandemtreffen in Soest haben wir einen imponierenden Selbstbau eines Trägers gesehen. Wenn man im Internet recherchiert, kommt man zu einem Anbieter dessen Träger wir von vornherein als nicht so vertrauenswürdig halten. Bei einer Fahrradmesse, im März 2011, in Essen haben wir auf dem Stand des niederländischen Tandemherstellers Vittorio den Dachträger mit dem Namen Imperiaal kennen gelernt. Als wir ihn im Mai 2011 bestellen wollten, mussten wir jedoch erfahren, dass wir uns in eine lange Warteliste einzureihen hätten. Der Träger wird trotz hoher Nachfrage nicht in hohen Stückzahlen gefertigt. Wir konnten nicht damit rechnen, den Träger im Sommer 2011 noch geliefert zu bekommen. Also entschlossen wir uns zum Eigenbau.
Die Konstruktion!
Die Konstruktion von Vittorio gefiel uns sehr gut. Diese Trägervariante wird aus Stahlrohren zusammengeschweißt. Da wir weder über ein Schweißgerät, noch über die Fähigkeit des Schweißens verfügen, entschieden wir uns für eine zusammenschraubbare Aluminiumkonstruktion. Uns fiel nämlich das modulare Aluprofilsystem von Bosch-Rexroth ein, mit dem wir bereits einige Erfahrung haben. Nachteil hierbei ist die umständliche Beschaffung und der hohe Preis. Zum Glück gibt es eine preiswerte Alternative aus dem Bauhaus-Baumarkt. Das hier erhältliche coaxis-System von Kantoflex steht unserer Meinung für dieses Projekt in nichts dem Bosch-System nach. Leider waren in unserer Bauhaus-Filiale nicht alle benötigten Teile vorrätig, sodass wir manches bestellen und darauf warten mussten.







Insgesamt wurden folgende Teile mit einem Gesamtwert von 250 Euro (Stand: 2011) benötigt:
Viele dieser Teile mussten vor der Montage bearbeitet werden:
Profile und Gewindestangen kürzen
Profile biegen
Löcher bohren, Gewinde schneiden
Aluminiumplatten zuschneiden
Zusammengebaut ergeben die Teile sozusagen nur einen Adapter zwischen dem Tandem und einem handelsüblichen Dachquerträger. Wir entschieden uns für einen Thule-Träger, auf dem wir den Tandemträger anpassten.
Durch die Nuten der Profile sind alle Elemente des Trägers verschiebbar und somit individuell auf das Tandem anpassbar. Es reicht, die Schrauben etwas zu lösen, um die Position der Halteelemente auf den Tandemrahmen anzupassen. Danach werden die Schrauben wieder angezogen und alles sitzt wieder fest.





Praxistest
Auch wenn der Träger zum Beladen seitlich heruntergefahren wird, ist die Position doch noch relativ hoch. Alleine ist es immer noch nahezu unmöglich, das Tandem auf den Träger zu heben. Zu zweit ist es jedoch kein Problem. Nach etwas Übung wussten wir, wo wir am besten anpacken müssen, um das Rad in die Halterungen zu heben. Sitzt das Rad in Position, wird es mit vier kurzen Spannriemen an den Halteschalen gesichert. Dann kann der Träger samt Rad auf das Autodach geschoben werden. Der Träger rollt dabei auf Rollen auf dem Grundträger. An der Endposition kommen die M8-Sicherungsbügel zum Einsatz. Sie werden mit Handrädern bequem, ohne Werkzeug, bedient und klemmen den Tandemträger an den Grundträger fest. Nach ersten Einsätzen zeigte sich, dass die Auflageflächen noch etwas verbessert werden mussten, um die Tandemrahmenoberfläche besser zu schützen.
Da wir einige Erfahrung mit Fahrrad-Dachträgern haben, mit denen wir unsere Trekkingräder transportieren, ist uns eins sofort aufgefallen: Nichts wackelt! Ist man sonst in Kurven oder auf schlechten Straßenbelägen Geräusche vom Dach gewohnt, ist es mit dem Tandem auf dem Dach sehr ruhig. Alles sitzt fest auf seinem Platz. Leider mussten wir feststellen, dass sich die Nuten der Profile schnell mit toten Insekten zusetzen. Aber auch hier gab es Abhilfe: Passend zu den Profilen gibt es Kunststoffabdeckleisten um die Nuten zu verdecken. Das erleichtert die Reinigung ungemein.
Selbstbauprojekt!
Der Tandemdachträger ist nicht, käuflich zu erwerben. Es handelt sich hier um ein Selbstbauprojekt!